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Vorschlag im Polkadot-Forum: keine Treasury-Gelder für Sanktionierte und Hochrisikoländer

Ein Vorschlag im Polkadot-Forum vom 30. September würde der Polkadot Treasury, dem On-Chain-Fonds, über dessen Ausgaben OpenGov-Referenden entscheiden, eine Richtlinie gegen Finanzkriminalität geben. Danach dürften Treasury-Gelder weder direkt noch indirekt an sanktionierte Personen oder Organisationen gehen, nicht an Projekte, die in einer Liste von Restricted Jurisdictions ansässig sind oder dort hauptsächlich Geld ausgeben, und nicht an Empfänger, bei denen ungeklärte Bedenken bestehen, dass Mittel abgezweigt werden könnten.

Die Begründung. Der Autor argumentiert, Geld könne nach dem Verlassen der Treasury über Mittelsleute laufen oder umgetauscht werden; den ersten Empfänger zu kennen reiche daher nicht, um zu wissen, wo es landet. Die Treasury solle vorbeugende Regeln anwenden statt sich auf Ermittlungen nach der Zahlung zu verlassen. Als Maßstab dienen die Sanktionsprogramme der US-Behörde Office of Foreign Assets Control (OFAC) und andere international anerkannte Indikatoren.

Wer ausgeschlossen wäre. Personen, die unter OFAC-Programmen gelistet sind, sowie alle, die ihnen gehören, von ihnen kontrolliert werden oder für sie handeln; Aktivitäten mit Sanktionsumgehung, Drogenhandel, Terrorfinanzierung, Geldwäsche oder organisierter Kriminalität; und Projekte, deren Hauptbegünstigter oder wesentliche Ausgaben in einer Restricted Jurisdiction liegen. Auf diese Liste käme ein Land, wenn es umfassenden Sanktionen der USA oder gleichwertigen Sanktionen unterliegt, wenn die Financial Action Task Force es als Hochrisikoland oder unter verstärkter Beobachtung führt, wenn FATF-Prüfungen erhebliche Lücken bei der Geldwäscheabwehr feststellen, wenn ein OpenGov-Referendum es so einstuft oder wenn die DAO das Risiko für zu hoch hält.

Was Empfänger offenlegen müssten. Den rechtlichen Namen, gegebenenfalls die wirtschaftlich Berechtigten, das Land der Gründung, die wichtigsten Tätigkeitsorte, die Empfangsadresse, den Verwendungszweck und etwaige Sanktionsrisiken. Fehlende Angaben wären ein Grund, einen Antrag abzulehnen. Wird ein Empfänger später sanktioniert oder verstößt er gegen die Richtlinie, könnten weitere Zahlungen gestoppt werden, und OpenGov könnte versuchen, Mittel zurückzuholen, soweit technisch und rechtlich möglich. Die Liste würde mindestens jährlich überprüft, mit veröffentlichter Begründung für jede Aufnahme und Streichung.

Stand. Es handelt sich um einen Diskussionsbeitrag eines Community-Mitglieds, nicht um ein Referendum, und bis zum Verfassen dieses Artikels gab es im Forum keine Antworten. Der Autor betont, die Richtlinie solle keine Bevölkerungen oder Nationalitäten bewerten, sondern nur eine Risikoschwelle für Gemeinschaftsgelder festlegen.

Vorschlag im Polkadot-Forum: keine Treasury-Gelder für Sanktionierte und Hochrisikoländer
Vorschlag im Polkadot-Forum: keine Treasury-Gelder für Sanktionierte und Hochrisikoländer — Coin Brief

Was das bedeutet

Die Polkadot Treasury hat über offene Referenden große Summen ausgezahlt, und wer sie erhält, war schon öfter umstritten. Eine schriftliche Risikorichtlinie gäbe den Abstimmenden einen gemeinsamen Maßstab statt Einzelfalldebatten. Sie wirft aber Fragen auf, die der Entwurf offenlässt: wer die Angaben prüft, gegen welche Listen, und wie eine erlaubnisfreie Kette mit den vielen Beitragenden umgeht, die in gelisteten Ländern leben, aber nichts Unrechtes tun.

Geschrieben von Victoria Shinder.