Coin Brief ENDE

Ethresear.ch: Ein 12-Sekunden-AMM muss 84,5 % des informierten Flusses abweisen, um mitzuhalten

Ein Forschungsbeitrag, den der Autor nuconstruct am 15. Oktober 2026 auf ethresear.ch veröffentlicht hat, stellt eine Frage, die jeden Liquiditätsanbieter auf Ethereum betrifft: Was ist eine Sekunde weniger Veralterung eines Kurses wert, verglichen mit dem Abweisen informierter Händler? Der Beitrag entwickelt dafür eine Gewinnschwelle für einen Market Maker und prüft sie an On-Chain-Daten.

Der Ansatz. Wer verbindlich auf beiden Seiten quotiert, so der Autor, hat praktisch eine Option geschrieben: Händler, die wissen, wohin der Preis läuft, üben sie aus, und der Market Maker holt diese Verluste über den Spread herein, den er allen anderen berechnet. Automatisierte Market Maker zeigen das besonders deutlich, denn ein Pool mit konstanter Funktion aktualisiert seinen Preis nur, wenn jemand handelt, und kann auf einer Chain mit Blockabwicklung einen ganzen Block lang veraltet sein – im untersuchten Netz rund zwölf Sekunden. Es gibt zwei Abwehrmittel: die Zeit verkürzen, in der der Kurs angreifbar ist, oder den Orderfluss filtern und die wahrscheinlich informierten Aufträge ablehnen. Ein erlaubnisfreier Pool muss jeden Auftrag ausführen, der seine Invariante erfüllt, ihm bleibt also nur das erste Mittel; ein kuratierter Market Maker kann beide nutzen.

Die Daten. Die Studie vergleicht vier USDC-WETH-Pools auf Uniswap v2 und v3 mit dem besten Geld- und Briefkurs von ETH-USDT auf Binance, verdichtet zu einem Sekunden-Mittelkurs, für den Zeitraum 1. Juni bis 29. August 2026. Nach Entfernen von Kleinstgeschäften umfasst die Stichprobe 1.725.539 Swaps; auf den größten Pool, Uniswap v3 mit 1 Bp Gebühr, entfallen 1.290.417 davon. Für die Netting-Kennzahl dient das vollständige Binance-Handelsprotokoll mit 260 Millionen Trades.

Ethresear.ch: Ein 12-Sekunden-AMM muss 84,5 % des informierten Flusses abweisen, um mitzuhalten
Ethresear.ch: Ein 12-Sekunden-AMM muss 84,5 % des informierten Flusses abweisen, um mitzuhalten — Coin Brief

Die Kernzahlen. Die Kursbewegungen auf Binance sind alles andere als glockenförmig: In 73 % der Ein-Sekunden-Intervalle bewegt sich der Mittelkurs gar nicht, die Exzess-Kurtosis liegt bei 154. Der Wechsel von zwölf Sekunden auf eine Sekunde beseitigt 84,5 % des erwarteten Preisschocks. Ein Market Maker mit Zwölf-Sekunden-Takt muss deshalb nicht weniger als 84,5 % der informierten Aufträge abweisen, um so gut abzuschneiden wie ein Handelsplatz mit Sekundentakt – unter Normalverteilung läge die Hürde bei 71,1 %. Das hänge nicht davon ab, wie toxisch der Fluss genau ist, schreibt der Autor: Über die vom engsten Netting-Wert zugelassenen Anteile informierter Händler bleibt die Schwelle zwischen 84,5 % und 85,2 %, nach den Worten des Beitrags etwa sechs von sieben informierten Aufträgen.

Was in Trendphasen passiert. Läuft der Markt in eine Richtung, wird der veraltete Pool bei der Ausführung ausgenutzt: Geschäfte mit dem Trend erzielen einen um 11,1 Bp niedrigeren effektiven Spread als Geschäfte gegen ihn, mit demselben Vorzeichen in allen vier Pools. Anhand ausgefallener Proposer-Slots zeigt die Studie, dass die Abweichung, die ein veralteter Pool auffangen muss, mit einer Elastizität von 0,45 mit der verstrichenen Zeit wächst, nahe der Diffusionsrate von einhalb. Vorhersehbare Drift sei ein Zentrierungsproblem: Sie verbreitert einen am aktuellen Preis ausgerichteten Kurs, ihre Kosten verschwinden aber, sobald der Kurs am erwarteten Referenzpreis zentriert wird.

Warum sich die Lektüre lohnt. Die Schwelle des Modells ist laut Beitrag unter driftfreier Diffusion skalenfrei: Sie hängt nur vom Verhältnis der beiden Zeithorizonte und vom Anteil informierter Händler ab, nicht von Volatilität, Gebühr oder Ordergröße; und der Autor argumentiert, dass der Market Maker die Form der Verteilungsränder bepreist, nicht nur ihre Breite. Für eine Chain, die über schnellere Blöcke diskutiert, und für Pools, die über kuratierten Orderfluss nachdenken, legt der Beitrag beide Hebel auf eine Skala – gemessen an Mainnet-Daten statt angenommen.

Quelle: ethresear.ch — https://ethresear.ch/t/how-much-screening-buys-a-second-speed-selection-and-the-makers-spread/26158